Es kam aber noch schlimmer. Die Philister bereiteten einen großen Krieg gegen Israel vor (1.Sam. 29). Das war der Krieg, in dem Israel nachher vernichtend geschlagen wurde und sowohl Saul als auch Jonathan umkamen. Der König Achis erwartete von David ganz klar, dass er sich an den Kämpfen beteiligen würde, und zwar auf der Seite der Philister. Ein Schlag in die Magengrube war nichts gegen diese Forderung. Kann ein Israelit noch tiefer fallen als auf Seiten der Philister gegen das eigene Volk zu kämpfen?
Saul war gewiss nicht der beste König gewesen und er stürzte auch immer weiter ab. Aber so traurig dies alles auch war, man konnte Saul auf keinen Fall vorwerfen, dass er je mit den Feinden Israels gegen das eigene Volk gekämpft hätte. So tief war selbst er niemals gefallen. Genau das wurde aber jetzt von David erwartet und es scheint, dass David keinen Weg fand, sich dem zu entziehen. Er spielte alle Möglichkeiten durch, aber alles, was er erwog, ging irgendwie nicht richtig auf. Die Philister waren einfach zu viele und sie wussten genau, wo die Familien von David und seinen Männern wohnten. Wehe ihnen, wenn David das Missfallen der Philister auf sich gezogen hätte. Wie er es auch drehte, allem Anschein nach blieb ihm kaum etwas anderes übrig, als mit den Philistern mitzumachen. Wohin hatte ihn der Kleinglaube nur geführt!
Wenn David an der Seite der Philister gekämpft hätte, wäre er als möglicher Nachfolger Sauls und als künftiger König Israels für immer ausgeschieden. Ganz sicher hätte Israel unter diesen Umständen David niemals als König anerkannt, ganz egal was letztlich mit Saul geschehen würde. David war in dieser Situation kurz davor, die ihm gegebenen, göttlichen Verheißungen zu verlieren. Und die tiefere Ursache dafür war sein Kleinglaube gewesen!
Wenn Gott nicht eingegriffen hätte, dann wäre es auch genauso gekommen. Gott lenkte es aber so, dass der König Achis von den anderen Fürsten unter Druck gesetzt wurde. Sie trauten David nicht und forderten seine Ausmusterung. David tat sehr beleidigt, um sich nicht zu verraten. Aber in Wirklichkeit muss er unendlich erleichtert gewesen sein, denn das Dilemma, in dem er sich befand, war grauenhaft gewesen. Er hätte beinahe die ihm gegebenen Verheißungen des Herrn verloren. Und wenn Gott nicht sehr gnädig eingegriffen hatte, dann wären sie ihm nicht nur beinahe, sondern auch tatsächlich verloren gegangen.