«Und als wir in Jerusalem angekommen waren, nahmen uns die Brüder mit Freuden auf. Am folgenden Tag aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und alle Ältesten fanden sich ein. Und nachdem er sie begrüßt hatte, erzählte er alles bis ins Einzelne, was Gott unter den Heiden durch seinen Dienst getan hatte. Sie aber priesen den Herrn, als sie dies hörten; und sie sprachen zu ihm: Bruder, du siehst, welch große Zahl von Juden gläubig geworden ist, und alle sind Eiferer für das Gesetz. Es ist ihnen aber über dich berichtet worden, du würdest alle Juden, die unter den Heiden sind, den Abfall von Mose lehren und sagen, sie sollten ihre Kinder nicht beschneiden und nicht nach den Gebräuchen wandeln. Was ist nun zu tun? Auf jeden Fall muss die Menge zusammenkommen; denn sie werden hören, dass du gekommen bist. So tue nun das, was wir dir sagen: Wir haben vier Männer, die ein Gelübde auf sich haben; diese nimm zu dir, lass dich reinigen mit ihnen und trage die Kosten für sie, dass sie das Haupt scheren lassen; so können alle erkennen, dass nichts ist an dem, was über dich berichtet worden ist, sondern dass auch du ordentlich wandelst und das Gesetz hältst. Was aber die gläubig gewordenen Heiden betrifft, so haben wir [ja] geschrieben und angeordnet, dass sie von alledem nichts zu befolgen haben, sondern sich nur hüten sollen vor dem Götzenopfer und dem Blut und vor Ersticktem und Unzucht. Da nahm Paulus die Männer zu sich und ging am folgenden Tag, nachdem er sich hatte reinigen lassen, mit ihnen in den Tempel und kündigte die Erfüllung der Tage der Reinigung an, bis für jeden von ihnen das Opfer dargebracht werden sollte» (Apg. 21,17-26).
Paulus folgte nicht nur selbst mit Beständigkeit und Ausdauer dem Herrn nach. Sondern er rang auch mit Ausdauer um das Wohlergehen der einzelnen Christen (Apg. 20,31), um die geistliche Gesundheit der einzelnen Gemeinden und um die innere Verbundenheit der Gemeinden untereinander.
Paulus arbeitete hauptsächlich unter den Heiden, während Petrus, Jakobus und andere hauptsächlich unter den Juden wirkten. Obwohl zwischen beiden Arbeitsfeldern oft große Entfernungen lagen, war es Paulus wichtig, die innere Verbindung untereinander zu erhalten. Das war allerdings nicht leicht, denn unter den Judenchristen gab es einige, die einen sehr begrenzten Horizont hatten. Sie waren fest davon überzeugt, dass die Heiden erst Juden werden müssten, bevor sie Christen werden könnten. Außerdem hielten sie weiter am Gesetz fest. Sie hatten das Evangelium nicht annähernd so gründlich verstanden wie Paulus. Darüber hinaus behinderten sie teilweise seine Arbeit unter den Heiden (Apg. 15,1-2) und Paulus musste ihnen gelegentlich sehr deutlich widerstehen. Diese Auseinandersetzungen waren für Paulus oft genug sehr ermüdend und entmutigend. Nicht nur, dass diese Menschen eine so begrenzte Erkenntnis hatten, sie waren sich zu allem Überfluss auch noch sicher, dass Paulus leichtfertig mit wichtigen Lehren umging, den Abfall von dem Gesetz Moses verkündete und überhaupt ganz falsch arbeitete.
Dies alles zu erleben war für Paulus sehr schmerzlich. Wie naheliegend wäre es für ihn gewesen, die Verbindung zu den Judenchristen einfach abzubrechen und keinen weiteren Wert mehr auf eine Zusammenarbeit zu legen. Schließlich hatte Paulus ja auch genug Arbeit unter den Heidenchristen, die sein eigentliches Missionsfeld waren. Aber Paulus tat das nicht. Er widerstand der Versuchung, alle Judenchristen über einen Kamm zu scheren, nur weil einige ihn so unschön angegriffen hatten und ihm so viel Mühe machten. Und er rang mit viel Einsatz und großer Ausdauer um die innere Verbundenheit auch mit den Judenchristen. Er tat dies selbst unter großen persönlichen Opfern und konnte auch eigenen Wünsche und Interessen zurücksetzen [3].
Die Gemeinden damals hielten trotz vieler Gegensätze erstaunlich stabil zusammen. Ein wichtiger Grund dafür lag in ihrer großen Ausdauer im Ringen um die innere Verbundenheit und die biblische Einheit.