David entschloss sich also dazu, zu den feindlichen Philistern zu fliehen (1.Sam. 27,1-6). Er entschied sich damit unter der Wirkung des Kleinglaubens für den scheinbar einfacheren Weg. Vermutlich hatte er tief in seinem Unterbewusstsein gespürt, dass der Herr ihm diesen Weg nie weisen würde. Deswegen fragte er Gott lieber erst gar nicht, ganz im Gegensatz zu früher, wo ihm die Wegweisung Gottes immer sehr wichtig gewesen war.
Zunächst einmal müssen wir aber feststellen, dass Davids menschliche Berechnung gar nicht einmal die schlechteste war. Im Gegenteil, David erhoffte sich mit der Flucht zu den Philistern ein Ende der Verfolgungen Sauls und lag mit dieser Einschätzung auch richtig. Die Verfolgungen Sauls hörten tatsächlich auf. Dafür bekam er aber ganz andere Probleme, die viel schwerwiegender waren.
In Bunjans Pilgerreise [1] lesen wir, wie Christ und Hoffnungsvoll sich an einer bestimmten Stelle für den falschen Weg entschieden. Eigentlich war ihnen klar gewesen, wie sie weiter pilgern müssten, nur, dass der vor Ihnen liegende Weg rau und beschwerlich wirkte. Das war natürlich entmutigend. Aber der Weg ging ganz eindeutig in die Richtung der himmlischen Stadt und stimmte auch sonst mit dem Wesen des göttlichen Weges voll überein. Sie wollten ja auch unbedingt auf dem göttlichen Weg bleiben. Andererseits war es offensichtlich, dass dieser raue Weg ihnen einiges abverlangen würde. Da entdeckten sie neben diesem rauen Weg einen viel angenehmeren, der irgendwie parallel verlief. Wenn er parallel zum eigentlichen Weg verlief, dann müsste er doch ebenfalls zur himmlischen Stadt führen, so ihre Schlussfolgerung. Es fällt nicht sehr schwer zu verstehen, warum sie sich schließlich für diesen parallelen Weg entschieden. So gingen sie dann eine ganze Weile auf diesem tatsächlich viel angenehmeren Weg weiter, stellten aber zunehmend fest, dass die Dinge doch nicht so einfach waren. Denn nach einiger Zeit überkam sie ein ungutes Gefühl und die immer stärkere Ahnung, dass dieser Weg doch nicht der richtige sein könne. Je länger sie gingen, desto mehr verloren sie die himmlische Stadt aus den Augen. Da stimmte doch etwas nicht!
Genauso ging es David und seinen Männern auch. Dieser Weg zu den Philistern schien nach allen Entbehrungen der Vergangenheit der viel Angenehmere zu sein. Das hatte David völlig richtig eingeschätzt. Die Verfolgungen Sauls hörten auf und sie konnten ohne diese beständige Bedrohung leben. Und schließlich konnte er auch bei den Philistern sich zu Gott halten, also der Weg verlief doch irgendwie parallel. Es ist verblüffend, wie genau sich die Erfahrungen Davids deckten mit denen von Christ und Hoffnungsvoll. Denn auch bei David dauerte es nicht lange, bis ihm irgendwie mulmig wurde. Sehr mulmig sogar.
Der König Achis nahm David und seine Leute zwar auf und er siedelte sie sogar in seiner Königsstadt an. Aber David merkte sehr bald, dass er hier völlig fehl am Platze war. Denn er war hier ganz und gar dem heidnischen Einfluss ausgesetzt. Und zwar nicht nur er und seine Männer, sondern auch ihre ganzen Familien mitsamt den Kindern. Das ging gar nicht! David musste hier weg!
Es gelang David schließlich, mit Erlaubnis des König Achis nach Ziklag zu ziehen. Das war schon viel besser, hier waren sie wenigstens mehr unter sich. Aber damit waren seine neuen Probleme noch keineswegs gelöst.