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Verfolgungen führen zu tieferer Erfahrung

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Ein paar Wochen waren vergangen und alle konnten die wunderbare Veränderung erkennen, die in Eva vorgegangen war. Man brauchte ihr nicht mehr von einem Zimmer zum andern helfen. Nein, sie ging nun allein und ließ mit heller, klarer Stimme, die seit ihrer Krankheit immer so schwach war, das Lob Gottes in lieblichen Liedern erschallen. Ihre neuerlangte Freude und Heilung waren so wunderbar, dass sie all ihr Denken in Besitz nahmen und den einzigen Gegenstand der Unterhaltung bildeten. Kamen Nachbarn herein, so wurden sie mit dem Gruß empfangen: „Preis dem Herrn, ich bin errettet und geheilt“. Und ihr Gespräch hatte einzig die Verherrlichung Gottes im Auge. Wie einst Daniel, so suchte sie den Herrn dreimal am Tag. Und darin fand sie den Trost, nach dem ihr Herz seit dem Tode ihrer Mutter hungerte. Sie hatte den wahren Freund gefunden, auf den sie sich verlassen konnte und der die wahren Beweggründe ihres Herzens verstand. Oft hörte man von ihren Angehörigen die Bemerkung: „Könnte ich so leben wie Eva, dann möchte ich auch fromm sein; aber ich weiß, ich kann nicht.“

Einige Wochen lang blieb Eva wegen ihres Rühmens des Herrn unbehelligt, denn Herr Grant sagte oft: „Lasst sie sich freuen, sie kann doch nicht mehr gesund werden. Und wenn sie daran ihre Freude findet, so mag sie’s haben.“ Aber als eine Woche nach der anderen vorüberging und ihre eingesunkenen Gliedern sich zu runden begannen, ihre Augen neues Leben sprühten, ihre Schritte elastischer wurden, ihre Stimme sich mehr und mehr besserte, fing er an, sie der Sache wegen, die in ihrem Leben an erster Stelle stand, zum Schweigen zu bringen. Eines Tages kam Nachbar Bleiler und deutete auf die große Veränderung hin, die in Eva vorging. Das gab ihr wieder eine Gelegenheit, von der großen Güte Gottes zu zeugen. Staunend saß er da, als sie ihre Erfahrungen erzählte; aber auf ihres Vaters Gesicht den Ausdruck der Missbilligung wahrnehmend, zog sie sich bald in ihr Zimmer zurück. Sie hörte ihren Vater noch die Bemerkung machen: „Herr Bleiler, geben Sie nichts darauf, was sie sagt. Sie ist so lange krank gewesen und ihr Verstand ist nicht mehr ganz klar.“ „Ihr Verstand ist nicht mehr ganz klar?“, rief Herr Bleiler.

„Das ist schwer zu glauben; denn ich habe noch nie einer besseren Predigt gelauscht als der eben vernommenen. Sie werden besser sagen müssen: „In dem Mädchen ist etwas Besonderes vorgegangen; sie ist doch am Gesundwerden“.“

„Ich glaube, es handelt sich um einen Gemütsdefekt“, erwiderte Herr Grant. „Sie hat so lange an nichts anderes als an ihre Krankheit denken können, dass es nun mit ihrem Geiste nicht mehr ganz stimmt. Jetzt laufen ihre Gedanken nur in einem anderen Kanal und ihre Leiden beachtet sie nicht mehr so. Ich glaube, das geht nur eine Zeitlang; dann wird sie wieder sein wie zuvor. Aber ich schäme mich ihretwegen und Sie wissen nicht, wie es mich in Verlegenheit bringt, wenn sie so herumfaselt.“

„In Verlegenheit bringen und sich schämen?“, rief Herr Bleiler. „Ich glaube, dass Sie das nicht im Geringsten nötig hätten. Wäre sie meine Tochter, so würde ich sie ermutigen, so viel ich nur könnte; was immer es auch sein mag. Sie sehen doch, dass es ihr hilft, wie nichts anderes. Und was nun ihren Gemütszustand anbelangt, so brauchen sie gar keine Bedenken zu haben. Denn wenn ihr Geist über ihre Krankheit herrscht, so muss sie doch einen sehr starken Geist haben.“

„Um ihren Geist handelt sich’s gar nicht!“, warf Edgar, der jüngste Bruder, unwillig ein. „Ihr Verstand hat nicht gelitten, und wenn doch, dann wär’s nur gut, wenn noch mehr in der Familie verrückt würden.“

Keiner wusste, dass Eva dieser Unterhaltung gelauscht hatte; aber jedes Wort war an ihre Ohren und tief in ihr Herz gedrungen. Wohlstieg ein Verlangen in ihr auf, ihren Vater dieser unfreundlichen Worte wegen, die er über sie gesprochen, zur Rede zu stellen. Aber sie wusste wohl, dass das nicht gut wäre. Heiße Tränen brannten ihr auf den Wangen. Dann griff sie nach ihrem kleinen Testament, presste es an ihr Herz und lief zur Hintertür hinaus quer über den Hof, um sich in der alten Scheune von dem eben Erlauschten zu erholen und neu zu stärken. Dort lag sie vor dem Herrn auf ihrem Angesicht, weinend und um mehr Gnade flehend. Schon wurden die Nachmittagsschatten länger und noch schrie ihr Herz zu Gott. Sich der Verzweiflung nahe fühlend, hob sie ihr Angesicht zum Himmel und rief: „Herr, erfülle mich so sehr mit dir selbst, dass ich jedem Gegner widerstehen, den Sieg behalten und gegen jedermann wahre Liebe in meinem Herzen haben kann!“ Sofort erfüllte Freude und Herrlichkeit ihre Seele und sie stand auf, Gott lobend und preisend. Als sie ins Haus eintrat, rief sie: „Es ist mir, als könnte ich über eine Mauer springen!“ Die Familie, die doch die wahre Bedeutung solcher Worte nicht verstand, zog den Schluss, dass sie wirklich geistesgestört sei.

Nach dieser Erfahrung führte Eva ein Leben beständigen Sieges und nahen Wandels mit ihrem Erlöser. Aber damit legte sich auch eine schwere Bürde für teure Seelen auf sie. Der Wunsch erfüllte sie, anderen vom Herrn zu erzählen und sie zu dem zu führen, der ihr so viel bedeutete.

Wieder besuchten sie Lucie und Anna Rohdes als gottgesandte Botschafter. Mit Pferd und Wagen kamen sie zur Grantfarm angefahren und baten bei Herr Grant um Erlaubnis für Eva, ein paar Tage mit ihnen verbringen zu dürfen. Gern willigte Herr Grant ein, um, wie er sich ausdrückte, nun ein paar Tage Ruhe von ihr zu haben. Wie schwer war es für Eva, diese spöttischen Bemerkungen anhören zu müssen. Aber wie froh war sie wegen dieser Gelegenheit, ihre Freundinnen wieder besuchen zu können. Denn mit dem Besuch verband sich doch auch das Vorrecht, Gottesdiensten beiwohnen zu können – eine Sache, die sie so sehr ersehnte.

Die Rohdes-Schwestern sagten ihr nicht eher, bis sie fast daheim waren, dass in St. Elmo wieder eine große Versammlung stattfinde. Evas Herz sang und sprang. Sobald wie möglich stahl sie sich hinweg, um allein zu sein und Gott für seine wunderbare Führung und für ihre Freundinnen zu danken, die für ihr geistliches Wohlergehen ein wirkliches Interesse zeigten.

Prediger Mills und seine Frau standen zu dieser Zeit der kleinen Gemeinde vor und hatten gerade eine Reihe Versammlungen begonnen, die an Abenden fortgeführt werden sollten. O, wie Eva diese Botschaften der Wahrheit einsog und wie ihr Herz jubelte! Denn nach allem, soweit sie Erkenntnis besaß, hatte sie in ihrem Leben aufgemessen. Die Bußbotschaft fand in ihrer Seele eine liebliche Erwiderung, war sie doch jeden Schritt wirklich selbst gegangen und wusste, was es bedeutet. Gerade in dieser Versammlung fühlte sie die Hand Gottes auf sich mit der bestimmten inneren Aufforderung, persönlich etwas für den Herrn zu tun. Und als die Einladungslieder verklangen, ging Eva und lud die Sünder ein, zu Gott zu kommen. Niemand konnte dem bittenden Ton des kleinen schwachen Mädchens widerstehen, das vor ihnen stand und dessen gekrümmte Gestalt vor Bewegung zitterte, als sie bat, sich doch mit Gott versöhnen zu lassen. Gott segnete ihre Seele und eine beträchtliche Anzahl fand den Weg zum ewigen Leben.

Eines Sonntagmorgens redete Prediger Mills über Heiligung oder ein tieferes Leben mit Gott. Als er in seinem Thema fortfuhr, spiegelte sich auf Evas Angesicht die Herrlichkeit Gottes und unfähig, sich länger zu beherrschen, stand sie inmitten der Botschaft auf und fing an, den Herrn zu loben und zu preisen.

„Geschwister“, sagte sie, „ich bin geheiligt, aber wusste bis heute morgen nicht, wie ich diese herrliche Erfahrung nennen sollte.“ Dann erzählte sie ihnen von ihrer vor wenigen Tagen gemachten Erfahrung. Viele weinten, andere priesen den Herrn mit ihr. Prediger Mills beendete seine Botschaft nicht, sondern lud alle ein, die ein tieferes inneres Leben und einen näheren Wandel mit Gott ersehnten, nach vorne zu kommen. Und eine Anzahl beugten ihre Knie vor dem Herrn. Der Heilige Geist fiel herab und alle erfreuten sich eines wirklichen Pfingstfestes. Das war ein herrlicher Siegestag für Eva.

Die Versammlungen gingen zu Ende und Eva machte sich bereit, nach Hause zurückzukehren. Als sie dem treuen Prediger und seiner Frau Auf Wiedersehen sagte, hielt Prediger Mills ihre Hand und richtete in einer sicheren Weise die Frage an sie: „Schwester Eva, fühlen sie nicht einen Ruf zum Werk des Herrn?“

„Ich empfinde eine tiefe Bürde für teure Seelen“, erwiderte Eva. „Und ein Verlangen, von dem zu zeugen, was der Herr für mich getan hat, beseelt mich, aber ich bin zu unwissend und ungeschickt, mehr zu tun. Habe ich doch nicht einmal eine Bibel!“

Ein Lächeln überflog Herrn Mills Gesicht, als er sagte: „Haben Sie nicht einen reichen Vater? Warum erbitten Sie nicht eine von ihm?“

„In der Tat habe ich einen reichen Vater“, sagte Eva und fuhr fort mit den Worten des Liedes:

„Mein Vater ist reich, hat Häuser und Land,

Die Schätze der Welten erschuf seine Hand;

An Silber und Gold und Edelgestein, 

Was die Erde nur birgt, – es ist alles ja sein.“

„Erwarten Sie nur viel vom Herrn und sie werden viel empfangen“, fügte Herr Mills noch hinzu, als Eva in den Wagen stieg.

„Denken Sie daran, dass er gesagt hat: „So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben...““.

„Ja, ja, ich weiß, was Sie meinen“, sagte Eva, als sie unter freudigem Winken davonfuhr. Unterwegs unterhielt sie sich mit den Rohdes-Schwestern. Doch die Schriftstelle, die Herr Mills anführte, klang weiter in ihren Ohren: „So werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es soll euch werden.“ Da erhob sie ihr Herz zu Gott im Gebet und sagte: „Herr, sende mir eine Bibel, dass ich völlig dein Wort kennenlerne!“

Obwohl sich Eva ihres Besuchs bei der Rohdes-Familie sehr erfreut hatte, war sie doch froh, nun wieder nach Hause zurückzukehren. Daheim angelangt, begrüßte sie liebevoll ihre Schwester Neva. Bald nachdem die Rohdes-Schwestern wieder abgefahren waren, erzählte ihr Neva, dass ihr Vater am vergangenen Sonntag eine Nachbarsfrau, eine Witwe, ausgefahren habe und sie fürchte, es werde etwas Schlimmes für sie alle dabei herauskommen.

Evas Herz wurde betrübt. Diese Frau war ein wahrer Schrecken der ganzen Umgebung. Ihre Kinder waren von ihr genommen und in Wohltätigkeitseinrichtungen untergebracht worden wegen des schlechten Wandels ihrer Mutter. Der Gedanke, dass solch eine Frau ins Haus kommen und ihrer Mutter Stelle einnehmen solle, war mehr, als sie ertragen konnte. Sie versuchte, mit ihrem Vater darüber zu reden, erhielt aber zur Antwort, dass sie zu jung sei, um sich in seine Angelegenheiten zu mischen, und er fähig sei, für sich selbst zu sorgen. So brachte sie es vor Gott, aber die Befürchtung schwand nicht. Am nächsten Sonntagabend, als die Kinder beim Abendbrot saßen, kam der Vater mit dieser Frau herein. Während er sie zu ihnen heranführte, sagte er: „Kinder, kommt und begrüßt eure neue Mutter!“

Neva stand mit dem Rücken an die Wand gelehnt. Ihr Gesicht wurde rot und ihre Augen blitzten mit wachsendem Zorn.

„Mutter?“, sagte sie. „Glaubt nicht, dass ich je eine Frau als meine Mutter betrachten werde, die ihre eigenen Kinder fortschickt und Fremden überlässt. Sie ist nicht meine Mutter.“

„Huh!“, war alles, was Harry zu sagen hatte.

„Sie mag meine Mutter sein, wenn sie gut ist“, sagte Edgar; „aber ist sie nicht gut, dann will ich sie nicht“.

Über diese Bemerkung musste sogar Neva lachen.

Währenddessen saß Eva da und schaute ihre neue Mutter an. Dabei zog sie Vergleiche mit ihrer eigenen wirklichen Mutter. Wieder kamen ihr die letzten Worte der Mutter in den Sinn:

„Mama kann sich immer auf ihre kleine Eva verlassen“. So stand sie auf, streckte ihr die Hand entgegen und sagte: „Um deinetwillen, Papa, will ich sie Mama nennen und versuchen, ihr eine gute kleine Tochter zu sein.“ Und indem sie ihren Arm um den Hals ihrer neuen Mutter legte, drückte sie ihr einen Kuss auf die Wange.

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Autoren

Berry, Robert Lee
Byrum, Enoch Edwin
Doberstein, Robert
Dorn, Käthe
Ebel, Wilhelm
Finney, C.G.
Forrest, F.E.
Girke, R.
Hägele, Edmund
Helffenstein, Jakob
Hoss, Heinz
Krebs, Josef
Lange, Paul
Malzon, Rudolf
Martens, William
McKoy, J.S.
Moderson, Ernst
Müsken, W.
Naylor, Charles Wesley
Neff, J.G.
Orr, C.E.
Pudel, K.
Rappard, Dora
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